Anton Lindenmair ist Deutscher Seniorenmeister des DBSB 2026
- Gert Schulz und Dieter Riegler punktgleich dahinter
(von Gerhard Dyballa, Meschede)
Die 25. Auflage der Senioren-Einzelmeisterschaft des Deutschen Blinden- und
Sehbehinderten Schachbundes (DBSB) fand vom 2. bis 9. Juli zum zweiten Mal im
Hotel Stadt Baunatal bei Kassel statt. Das Hotel verfügt über 51 individuell
eingerichtete Zimmer und Suiten mit insgesamt 99 Betten, nach Wahl mit Dusche oder
Badewanne. Es wurde von den Senioren des Deutschen Blinden- und
Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB) für dieses Turnier ausgewählt, da dort sehr
oft für die Blindenvereine Veranstaltungen durchgeführt wurden und die
Teilnehmer stets mit der Einrichtung zufrieden waren. Wie mir Teilnehmer des
Turniers mitteilten, bot das Hotel auch in diesem Jahr ideale Spielbedingungen
in einem großen Raum. Alle hatten an den großen Tischen viel Platz, nicht nur für
ihre Blindenschachbretter, sondern auch für das übrige Spielmaterial.
Für das leibliche Wohl war nicht nur während der Mahlzeiten zur Zufriedenheit
aller gesorgt. Das Personal des Hotels war stets freundlich und hilfsbereit.
Der Organisator des Turniers und Titelverteidiger, der 84-jährige Manfred
Müller aus Senftenberg, konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht an der
Meisterschaft teilnehmen. So wurde der Baunataler Dietmar Hillesheim als Ersatzorganisator
ins kalte Wasser geworfen. Diese Aufgabe hat er zur Zufriedenheit aller
Teilnehmer gemeistert.
Anton Lindenmair gewann die 25. Deutsche Senioreneinzelmeisterschaft des DBSB
zum ersten Mal vor den punktgleichen Gert Schulz und Dieter Riegler. Lindenmair
vertrat Deutschland von 1985 bis 2019 bei vielen internationalen Turnieren.
Seine größten Erfolge feierte er bei der IBCA-Schacholympiade im spanischen
Benidorm 1985, während der er 6,5 Punkte aus 9 Partien am 4. Brett erkämpfte, sowie
2002 bei der IBCA-Einzelmeisterschaft im türkischen Istanbul, wo er 5,5 Punkte
aus 9 Partien verbuchte.
In der Auftaktrunde hatte Lindenmair Spielglück gegen Matthias Steinhart. In
einem ausgeglichenen Endspiel hatte Steinhart Remis angeboten, das Lindenmair
ablehnte und daraufhin die Stellung überzog und mit einer Niederlage rechnete.
Steinhart sah den Gewinnzug nicht und gab sich mit einem Dauerschach zufrieden.
In der zweiten Runde einigte sich Lindenmair gegen Dieter Riegler trotz eines Mehrbauern
auf eine Punkteteilung. In der darauffolgenden Runde 3 bekam Lindenmair eine
aktive Stellung gegen Peter Ellinger, die in einen nicht zu verhindernden
Mattangriff mündete. Kurz vor dem Matt gab Ellinger die Partie auf.
Die entscheidende Partie um die Meisterschaft spielten in der vierten Runde
Gerhard Dyballa mit Weiß gegen Lindenmair. Dyballa hatte im Mittelspiel mit
seinem aktiven Läuferpaar eine gewonnene Stellung erkämpft, die er durch einen ungenauen
Zug zum Remis verdarb und darauf mit einem sehr schwachen Zug ruinierte, der
zum Verlust führte.
In der fünften Runde einigte sich Lindenmair mit Gert Schulz nach wenigen Zügen
auf die Punkteteilung. Lindenmair gewann die Partie in der vorletzten Runde.
Sein belgischer Gegner Alex Geerinck hatte in einer komplizierten Stellung eine
falsche Entscheidung getroffen und stellte wenige Züge später eine Figur
ein.
Vor der letzten Runde rechnete sich der mit einem halben Punkt führende Lindenmair
aus, dass er mit einem Unentschieden durch die Buchholzwertung die
Meisterschaft gewinnen konnte. Als Pinnow nach wenigen Zügen Remis anbot, wurde
dies natürlich sofort akzeptiert. Damit war Lindenmair die Meisterschaft nicht
zu nehmen.
Es war eine sehr umkämpfte Seniorenmeisterschaft. Am Ende trennte den Meister
Lindenmair von dem Siebten Matthias Steinhart nur ein Punkt.
Drei Teilnehmer erzielten 5 Punkte. Die zweite Wertung, die Buchholzpunkte, gab
den Ausschlag der Plätze eins bis drei. Der Sieger Lindenmair hatte mit seinen
27,5 Buchholzpunkten nur zwei Zähler Vorsprung vor dem Zweiten Schulz mit 25,5.
Dieser hatte einen Buchholzpunkt mehr als der Dritter Riegler mit 24,5.
Lindenmair, Schulz und Riegler verloren keine einzige Partie, gewannen drei und
spielten viermal Unentschieden.
Die guten 4. und 5. Ränge erkämpften Peter Ellinger und Manfred Pinnow mit je
4,5 Punkten. Auch hier entschied über die Platzierung die zweite Wertung, Ellinger
mit 22 und Pinnow mit 21 Buchholzpunkten.
Ellinger verlor nur die schon erwähnte Partie gegen Lindenmair. In der 6. Runde
übersah er gegen Riegler einen Gewinnzug mit dem Turm und gab sich mit einem
Dauerschach zufrieden. Pinnow wurde nur in der dritten Runde von Schulz
geschlagen. In der zweiten Runde verteidigte sich Pinnow 36 Züge lang zäh gegen
Dyballa in Stellungen mit einem Bauern weniger. Die Partie dauerte fast 5
Stunden.
Dyballa wurde Sechster und Steinhart Siebter. Sie errangen je 4 Punkte. Auch
hier entschied die Buchholzwertung. Dyballas 26 Buchholzpunkte waren
besser als Steinharts 24,5.
Achter wurde Heinrich Traub mit 1,5 erzielten Punkten, der in der 4. Runde
einen Sieg gegen Alex Geerinck verbuchte. Dietmar Hillesheim wurde Neunter mit
einem Punkt, den er mit zwei Unentschieden gegen Traub und Geerinck erreichte.
Der belgische Schachfreund Geerinck erspielte einen halben Punkt.
Die Meisterschaft verlief in einer freundschaftlichen Atmosphäre. Am Abend des
letzten Spieltages fand die Siegerehrung statt. Der Geschäftsführer des Hotels
Sebastian Will und das Hotelpersonal überreichten den drei Besten
Medaillen, Urkunden und den erspielten Geldpreis.
Endstand nach 7 Runden
1. Lindenmair,Anton.. GER 5,0 27,5 18,25
2. Schulz,Gert........... GER 5,0 25,5 16,25
3. Riegler,Dieter……... GER 5,0 24,5 15,25
4. Ellinger Peter…….... GER 4,5 22,0 10,00
5. Pinnow,Manfred..... GER 4,5 21,0 9,50
6. Dyballa,Gerhard…. GER 4,0 26,0 11,75
7. Steinhart,Matthias .GER 4,0 24,5 10,50
8. Traub,Heinrich….... GER 1,5 24,5 1,00
9. Hillesheim,Dietmar GER 1,0 24,0 1,00
10. Geerinck,Alex........ BEL 0,5 25,5 0,50