Polen gewann die 10. IBCA – Team – Schachweltmeisterschaft 2026
Deutschland belegte den 9. Rang.
Von Gerhard Dyballa aus Meschede, Pressewart des DBSB
Die 10. IBCA Team-Schachweltmeisterschaft der Blinden und Sehbehinderten fand vom 18. bis 27. April 2026 in Petrovac, einer Küstenstadt in Montenegro, statt. Petrovac gehört zur Gemeinde Budva und befindet sich an der Küste zwischen Budva und Bar, an jener Stelle, wo die alte Gebirgsstraße von der Hauptstadt Podgorica kommend die Adriaküste erreicht. Petrovac ist ein beliebtes Reiseziel für Touristen.
Die Mannschaften trugen ihren Wettbewerb im 4-Sterne-Palas-Hotel aus, wo sie auch untergebracht waren, direkt an einem 600 m langen Sandstrand.
Für dieses Turnier meldeten sich 22 Teams der Welt aus vier Kontinenten.
Indien hatte Visa-Probleme und konnte Montenegro nicht rechtzeitig erreichen, so dass 21 Mannschaften an den Start gingen, in jeder Runde ein Team spielfrei hatte und dafür einen Mannschaftspunkt bekam.
Russland war
wegen des Überfalls auf die Ukraine vom Turnier ausgeschlossen. Der
Turnierfavorit war der Titelverteidiger Polen. Medaillenplätze rechneten sich
die Mannschaften aus der Ukraine, Spanien und Serbien aus.
Die Meisterschaft wurde im Schweizer-System ausgetragen. Die Bedenkzeit betrug bei der IBCA standardmäßig 2 Stunden plus 30 Sekunden für jeden ausgeführten Zug.
Am 18. April begann das Turnier mit einer halbstündigen Eröffnungszeremonie. Der Gastgeber präsentierte sich mit vielen Gastrednern aus Sport und Politik. In tiefer Trauer gedachte der polnische IBCA-Vizepräsident Piotr Dukaczewski des verstorbenen IBCA-Präsidenten Dr. Jorgen Magnusson, der uns nach einem langen und mutigen Kampf gegen Krebs verlassen hat. Dr. Magnusson war nicht nur ein engagierter Führer der International Braille Chess Association, sondern auch ein Mann mit Visionen, Integrität und hohem Engagement für die globale Schachgemeinschaft.
Deutschland wurde auf Setzlistenplatz fünf geführt und spielte in der Aufstellung:
|
|
Name |
Elo |
|
1 |
Dominik Müller |
2254 |
|
2 |
Thorsten Mueller |
1996 |
|
3 |
Frank Schellmann |
1968 |
|
4 |
Olaf Dobierzin |
1891 |
|
5 |
Gerhard Dyballa |
1958 |
1. Runde
Deutschland deklassierte in der 1. Runde Italien mit 3,5:0,5.
Nach 16 Zügen einer heißen Theorieschlacht kam Dominik Müller in Vorteil. Im Mittelspiel gewann er eine Qualität und wenige Züge später gab sein Gegner Marco Casadei die Partie auf.
Frank Schellmann griff seinen Gegner Giancarlo Badano die ganze Partie wild an. Durch eine Ungenauigkeit des Italieners ergab sich für Schellmann eine gewonnene Stellung, die er zum ungefährdeten Sieg verwertete.
Thorsten Mueller spielte mit Schwarz auf Gewinn. Sein Gegner Bersan Vrioni hatte ihm dreimal (im 12., 24. und 33. Zug) Remis angeboten, das Mueller jedes Mal ablehnte. Letztendlich musste er aber in ein Unentschieden einwilligen.
Der Berichterstatter, Gerhard Dyballa, spielte lange gegen Diego Poli. Durch einen Mattangriff eroberte ich fünf Bauern und wickelte in ein gewonnenes Damenendspiel ab. Nachdem mein Gegner kein weiteres Damenschach gesehen hatte, gab er die Partie auf.
2. Runde
Deutschland unterlag mit 1,5:2,5 Usbekistan.
Nachdem Dominik Müller sich mit seinem Gegner Axadxon den Punkt schnell geteilt hatte, wurde meine Partie als nächste entschieden. Mein usbekischer junger Schachfreund Saparminbet Uteev bot mir in einer hochkomplizierten Stellung Remis an. Ich überlegte 45 Minuten, sah keine Gewinnmöglichkeit und einigte mich mit meinem Gegner auf die Punkteteilung.
Frank Schellmann überspielte Ilkom Gulamov in der Eröffnung, nutzte seine guten taktischen Möglichkeiten aber zweimal nicht aus, so dass sein Gegner zum Gegenschlag ausholen konnte. Schellmann fand jedoch eine Antwort dazu und behielt den zuvor gewonnenen Bauern. Am Ende musste er sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.
Es stand 1,5:1,5 und die Schlacht zwischen dem Usbeken Ali Irgashev und Olaf Dobierzin auf dem 3. Brett entschied den Mannschaftskampf zu unseren Ungunsten. Nach der ausgeglichenen Eröffnung wählte Dobierzin einen falschen Plan und geriet dadurch in Nachteil. Sein Gegner nutzte den positionellen Vorteil zum Sieg.
3. Runde
In der 3. Runde mussten wir nach einem langen Kampf unsere zweite Niederlage mit 1:3 gegen Serbien hinnehmen.
Dominik Müller fand in der Zeitnotphase in einer ausgeglichenen Stellung nicht den richtigen Zug und verlor die Partie.
Frank Schellmann opferte in der Eröffnung einen Bauern, den Stefan Janjic bis zum Ende der Partie verteidigen konnte. Am Ende verwertete sein Gegner den Materialvorteil zum Sieg.
Thorsten Mueller spielte ebenfalls eine lange Partie gegen den erfahrenen Damjan Jendric, die mit einem Unentschieden beendet wurde.
Olaf Dobierzin gewann nach einer ausgeglichenen Eröffnung eine Qualität, einen Turm für einen Läufer. In der beiderseitigen Zeitnot konnte er seinen Vorteil nicht in einen Sieg ummünzen und musste sich mit einer Punkteteilung zufrieden geben.
4. Runde
In der 4. Runde wurde Slowenien mit 3,5:0,5 geschlagen.
Am 4. Brett wurden nach einer gut vorbereiteten gegnerischen Eröffnung alle Türme getauscht und der Damentausch stand bevor. In dem voraussichtlich entstehenden Leichtfigurenendspiel erkannte ich, dass ich keine Gewinnaussichten hätte und nahm das Remisangebot meines Gegners Emil Muri an.
Dominik Müller verbesserte nach der Eröffnungsphase kontinuierlich seine Stellung und zwang seinen Gegner Matej Znuderl zur Aufgabe.
Thorsten Mueller opferte im Mittelspiel einen Bauern und manövrierte seinen Gegner Bor Gradisek zum verdienten Sieg aus.
Die längste Partie spielte wieder Olaf Dobierzin. Er geriet zuerst nach einer ungenauen Stellungsbehandlung in Nachteil, aber sein Gegner Janez Mlacnik nutzte die ihm gebotene Chance nicht. Im Gegenteil verlor Mlacnik den Überblick und Dobierzin konnte seine Dame gewinnbringend zentralisieren.
5. Runde
Gegen den Gastgeber Montenegro gewannen wir in der 5. Runde mit 2,5:1,5.
Zuerst gab sich Thorsten Mueller in einer vorteilhaften Stellung gegen den starken, Elo 2094, Vjekoslav Vulevic mit der Punkteteilung zufrieden.
Frank Schellmann baute seinen positionellen Vorteil im Mittelspiel aus. Durch ein Ablenkungsmanöver gewann Schellmann Material und damit auch den Punkt.
Die Partie zwischen Olaf Dobierzin und Radovan Damjanovic überschritt niemals die Remisbreite und endete mit einer dreimaligen Stellungswiederholung.
Dominik Müller spielte die längste Partie des Tages, in der 80 Züge ausgeführt wurden. Gegen den erfahrenen internationalen Meister Predrag Nikac hatte Müller am Ende ein theoretisches Turmendspiel mit einem Randbauern weniger erreicht, das er problemlos zum Remis brachte.
6. Runde
Gegen die starke spanische Mannschaft erkämpften wir ein Unentschieden. Die Besonderheit dieses Mannschaftskampfes war, dass alle Spieler mit den schwarzen Steinen siegten.
Zuerst musste sich Dominik Müller gegen den Weltmeister Daniel Eduardo Pulvett Marin geschlagen geben.
Frank Schellmann verlor in einer komplexen Mittelspielstellung die Übersicht und die Partie.
Olaf Dobierzin verkürzte auf 1:2. Er spielte gegen Gavril Draghici Flutur eine schöne Partie. Durch ein starkes Qualitätsopfer, ein Turm für einen Springer, errang er den Sieg.
Thorsten Mueller glich den Mannschaftskampf zum 2:2 aus. Im Mittelspiel gewann er gegen David Fernandez Lago durch eine taktische Finesse eine Qualität und damit letztendlich nach über 80 Zügen die Partie.
7. Runde
In der 7. Runde verlor die deutsche Mannschaft gegen Venezuela mit 1:3.
Dominik Müller übersah im Mittelspiel gegen Edgar Rivas Cabrera in einer ausgeglichen Stellung die richtige Züge und verlor die Partie.
Frank Schellmann löste die Eröffnungsprobleme, konnte aber keinen Vorteil für sich verbuchen und einigte sich mit seinem Gegner Victor Abiad Parra auf ein Unentschieden.
Ich überspielte Luis Anibal Rodrigez Pirela in der Eröffnung, fand aber im Mittelspiel nicht die Fortsetzung und landete in einem verschiedenfarbigen Läuferendspiel mit fünf Bauern auf beiden Seiten. Am Ende einigte ich mich mit meinem Gegner auf die Punkteteilung.
Thorsten Mueller kämpfte sehr lange und versuchte seinen Gegner mit besserer Bedenkzeit in Schwierigkeiten zu bringen. Er übersah dabei eine Feinheit, die ihn letztlich einen Bauern und die Partie kostete.
8. Runde
Deutschland verlor das Spiel gegen Frankreich 1:3.
Olaf Dobierzin setzte seine Vorbereitung nicht konsequent um und geriet damit in eine Verluststellung, die sein Gegner Theo Ambrosino zum Sieg ausnutzen konnte.
Daraufhin erkämpfte Thorsten Mueller am 1. Brett ein glückliches Unentschieden gegen Yann Thevenet.
Frank Schellmann versuchte in der Eröffnung die unsichere Damenstellung seines Gegners Mathieu Dufort auszunutzen. Er übersah dabei eine Taktik, blieb in seiner Entwicklung zurück und verlor.
Ich spielte gegen meinen Freund Eric Mayer meine längste Turnierpartie. Seit 2022 kam es schon mehrmals zu diesem französisch-deutschen Klassiker.
Im Mittelspiel gewann ich einen Bauern und versuchte ihn 88 Züge zu verwerten. Mayer verteidigte gekonnt die Stellung zu einer Punkteteilung.
9. Runde
In der letzten Runde war die deutsche Mannschaft immer noch schachhungrig und bezwang Kroatien mit 3,5:0,5.
Frank Schellmann gewann schnell und souverän den ersten Punkt für Deutschland, nachdem er die ungenauen Züge seines Gegners Miroslav Madjerevic ausnutzte.
Dominik Müller überspielte Miso Culjak schon in der Eröffnung und brachte den Sieg sicher nach Hause.
Dann einigte sich Olaf Dobierzin mit seinem Gegner Lovro Pergar in einer ausgeglichenen Mittelspielstellung auf ein Unentschieden.
Ich gewann gegen Franjo Matanovic in der Eröffnung einen Bauern, musste aber dafür die nachfolgenden richtigen Züge finden. Im Laufe des Mittelspiels konnte ich durch eine von meinem Gegner übersehene Taktik einen Bauern in eine Dame umwandeln und setzte Matanovic in der Mitte des Brettes schachmatt.
Resümee
Damit belegte die deutsche Mannschaft am Ende wie vor 4 Jahren in Ohrid, in Nordmazedonien, den 9. Rang. Wir erhofften uns mehr, jedoch hatten wir keine optimalen Voraussetzungen gehabt. Aus privaten Gründen konnte unser Bundestrainer uns nicht in Montenegro unterstützen. Wir trafen uns zu gemeinsamen Vorbereitungen auf die anstehenden Partien und unterstützten uns.
Am Brett brachten alle ihr Bestes. Persönlich bin ich mit meinen Ergebnissen, 4 Punkte aus 6 Partien, zufrieden.
Auch unsere Begleiter hatten ihren Anteil an unserem Spiel. Luise Schellmann, Elisabeth Dyballa, Julius Muthig und Reinhard Schamp betreuten uns herzlich und gingen auf unsere Wünsche und Bedürfnisse ein.
Polen verteidigte seinen Weltmeistertitel souverän mit 17 Punkten und gewann alle Mannschaftskämpfe, außer einem schnellen Unentschieden gegen Spanien. Die Ukraine, die nur gegen Polen verlor, folgte mit 16 Punkten. Die Bronzemedaille sicherte sich Serbien mit 13 Punkten.
Am Abend des letzten Spieltages fand die Siegerehrung statt. Die Mannschaftsführer der drei siegreichen Teams erhielten große Pokale.
Erwähnenswert ist auch, dass die Montenegriner am Ruhetag eine Fahrt nach Kotor mit Besichtigung der Altstadt organisiert hatten. Anschließend fand eine Schifffahrt von Kotor nach Tivat statt. Von dort fuhren wir mit dem Bus nach Petrovac zurück.
Endstand nach 9 Runden
|
Rg, |
Snr |
Team |
M |
S |
R |
N |
Wtg 1 |
Wtg 2 |
|
1 |
1 |
POLEN |
9 |
8 |
1 |
0 |
17 |
25,5 |
|
2 |
2 |
UKRAINE |
9 |
8 |
0 |
1 |
16 |
28 |
|
3 |
4 |
SERBIEN |
9 |
6 |
1 |
2 |
13 |
21,5 |
|
4 |
3 |
SPANIEN |
9 |
5 |
2 |
2 |
12 |
22 |
|
5 |
9 |
VENEZUELA |
9 |
5 |
1 |
3 |
11 |
19 |
|
6 |
7 |
BULGARIEN |
9 |
5 |
0 |
4 |
10 |
20,5 |
|
7 |
6 |
UNGARN |
9 |
4 |
2 |
3 |
10 |
20 |
|
8 |
19 |
KASACHSTAN |
8 |
4 |
1 |
3 |
10 |
18 |
|
9 |
5 |
DEUTSCHLAND |
9 |
4 |
1 |
4 |
9 |
19,5 |
|
10 |
12 |
NORDMAZEDONIEN |
9 |
4 |
1 |
4 |
9 |
17 |
|
11 |
8 |
MONTENEGRO |
8 |
3 |
1 |
4 |
8 |
19 |
|
12 |
11 |
FRANKREICH |
8 |
3 |
1 |
4 |
8 |
18,5 |
|
13 |
14 |
LITAUEN |
9 |
3 |
2 |
4 |
8 |
18 |
|
14 |
16 |
SLOWAKEI |
9 |
3 |
2 |
4 |
8 |
17 |
|
15 |
20 |
USBEKISTAN |
9 |
4 |
0 |
5 |
8 |
14 |
|
16 |
10 |
RUMÄNIEN |
8 |
2 |
2 |
4 |
7 |
17,5 |
|
17 |
15 |
ITALIEN |
8 |
3 |
0 |
5 |
7 |
17 |
|
18 |
13 |
SLOWENIEN |
8 |
3 |
0 |
5 |
7 |
15,5 |
|
19 |
18 |
KROATIEN |
8 |
2 |
1 |
5 |
6 |
16 |
|
20 |
17 |
KOSOVO |
8 |
1 |
1 |
6 |
4 |
10 |
|
21 |
21 |
KENIA |
8 |
0 |
0 |
0 |
1 |
4,5 |
Anmerkung:
Rg.: Rang
Snr: Startnummer
M: Anzahl der Mannschaftskämpfe
S: Anzahl der Siege (+)
R: Anzahl der Unentschieden (=)
N: Anzahl der Niederlagen (-)
Wtg1:
Matchpunkte (2, 1, 0)
Wtg2: Brettpunkte